Nekrolog für den Winter

Ein Nekrolog für (Nachruf auf) den Winter. 19.03.2017

Der Winter ist in den letzten Zügen, wir hungern alle nach dem Frühling. Eigentlich ist es unüblich, einen Nachruf zu verfassen, wenn der Tote noch nicht tot ist. IMG_8837

Eigentlich vermissen wir ihn auch nicht, zumindest die Wenigsten. Wir sind froh, wenn er weg ist. Wir wollen doch alle, dass er geht.

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Wenn es ginge, würden sich wohl nicht Wenige finden lassen, die sogar noch nachhelfen würden. „Ich hasse Winter“, sagte erst letztens jemand in meiner Nähe. Aber woher dieser Hass? Was ist denn so schlimm daran?

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In einem Nekrolog würdigt man das „Lebenswerk“ eines Verstorbenen. All die Vorzüge, aber auch Macken und Fehler, werden noch einmal in Erinnerung gerufen. Es scheint beliebter zu sein, mit einem Augenzwinkern und viel Humor solch eine Rede zu verfassen.

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„Macken“ und „Fehler“ fallen mir zu Winter eher ein, daher habe ich mir mal Gedanken gemacht, was den Winter eigentlich liebenswert macht. Aber abseits von solchen Aktivitäten wie Skifahren, Schlittenfahren oder Schneemannbauen; ich glaube, das sind Charakterzüge, die viele nennen würden, also ungeeignet.

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Das großartige Lebenswerk des Winters ist für mich, dass er eine Ruhepause darstellt. Im Winter können wir endlich mal ohne schlechtes Gewissen ausruhen, eine ruhige Kugel schieben. Wenn es draußen so richtig ungemütlich und kalt ist, fühle ich mich daheim noch viel wohler. Dann zelebriere ich den Winter: Mit vielen Kerzen, Tee und Kuschelklamotten z.B. Der Winter sorgt dafür, dass wir Kraft tanken können.

Ohne Winter würden wir doch gar nicht so sehr nach Frühling hungern. Die Abwechslung macht es erst interessant. Ich kann mittlerweile jeder Jahreszeit etwas Gutes abgewinnen. Gäbe es nur Frühling und Sommer, wüßten wir die schöne, warme Jahreshälfte doch gar nicht zu schätzen. Mit dem Winter erst können wir uns wahrhaft freuen, wenn der Schnee schmilzt und die ersten Schneeglöckchen zu sehen sind. So wie Leid zum Leben gehört, ohne das Freude keine Freude wäre.

Wenn im Herbst die Blätter bunt werden und ällmählich zu Boden gleiten, wissen wir, der Winter ist nah. Herbst und Winter bedeuten immer auch Abschied. Loslassen – das muss man erstmal lernen. Hermann Hesse formulierte es so bezaubernd in seinem Gedicht Stufen: “ Wie jede Blüte welkt und jede Jugend dem Alter weicht, […] Blüht jede Weisheit auch und jede Tugend zu ihrer Zeit und darf nicht ewig dauern.“ Weil Loslassen eben auch eine Befreiung ist. Neuanfänge ermöglicht. Weil auch der Schmerz gehen kann, wenn auch nur kurzzeitig. Ewig ist nur der Wechsel, der Wandel.

Mit solchen Augen ist der Frühling kostbarer, da eben nicht ewig während.

Eine (entspannende) Foto-Tour in die Vulkaneifel

Komm mit mir in die Vulkaneifel. Aber nimm Dir Zeit, mach es Dir davor bequem, falls Du das nicht sowieso schon getan hast. Gönn Dir diese kleine Auszeit bewußt. Ein ruhiges Plätzchen, an dem man nicht gestört wird, ist ideal. Dann atme ein paar Mal bewußt tief ein und aus. Komm erst mal richtig an…

Im Wald

Für ein audio-visuelles Erlebnis, empfehle ich solche Ambient Sounds, hier „Primeval Forest“: https://mynoise.net/NoiseMachines/primevalEuropeanForestSoundscapeGenerator.php (Hintergrund-Sound)

Oder wer lieber Musik mag, ich finde den Song „Fountain“ von iamamiwhoami perfekt: dazu: https://www.youtube.com/watch?v=bRazgMj_cfE (ist auch ein tolles Video)

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Wald am Holzmaar

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Riesige Baumpilze

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Viele verschiedene Moose sind im Wald zu sehen

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Manche Bäume sind regelrecht im Moos verschwunden

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Farn, eine der ältesten Pflanzen der Erde

Am Wasser

Ambient Sound, hier z.B. „Waterfall“: https://mynoise.net/NoiseMachines/waterSpringStreamNoiseGenerator.php

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Weinfelder Maar – Maare sind Vulkanseen

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Vulkankrater, im NSG Mosenberg, der einzige wassergefüllte nördlich der Alpen

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Am Bergkratersee (s.o.)

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Schalkenmehrener Maar

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Im Moseltal

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Möwen sind zahlreich an der Mosel

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Nilgans

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Wasserfälle bei Burg Pyrmont

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Burgen

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Burg Pyrmont

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Unten im Tal unter Burg Pyrmont

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Dieser Wasserfall befindet sich an dem Türmchen (links zu erahnen)

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Die märchenhafte Burg Eltz

 

Kraniche

Kranichrufe: http://www.vogelstimmen.de/html/content_link.php?link=www.xeno-canto.org/sounds/uploaded/ZNCDXTUOFL/XC124500-Grus_grus_Poland_Jarek_Matusiak_20130310-030.mp3

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Kraniche hört man schon von weitem, bevor man sie sieht…

 

Die Vulkaneifel war selbst jetzt, im Winter (Februar), sehr beeindruckend, ich hoffe, ich konnte es ein wenig vermitteln und euch erfreuen.

Junge Blaumeise

Eine neue Liebe ist wie ein neues Leben

Seit letzten Winter interessiere ich mich ja ganz besonders für die Ornithologie, also Vogelkunde. Auf dem Balkon füttere ich diverse Arten Wildvogelfutter (Körner, Fettmischungen, Energierollen usw.), biete Trink- und Badestellen an und habe diverse Futtersysteme installiert (Futtertische für das Fenster, Aufhängesysteme usw., alles von Vivara selbst gekauft, falls jemand sich auch eindecken möchte. Da dieser Versandhandel mit dem NABU und auch anderen Naturschutzorganisationen zusammenarbeitet und von diesen empfohlen wird, empfehle ich ihn gerne unentgeltlich weiter!). Ich habe auch spezielle Zeitschriften abonniert, Vogelbestimmungsbücher daheim und beobachte also gerne das Treiben vor dem Fenster.

Kernbeißer

Kernbeißer

Je nach Jahreszeit wechseln auch die Besucher, die Kernbeißer-Familie war z.B. eher im Frühjahr/Frühsommer da, der Buntspecht ebenfalls. Lediglich die Kohl- und Blaumeisen sowie Kleiber sind regelmäßig und dauerhaft da, sie haben sich schon an mein reichhaltiges Büfett gewöhnt.

Buntspecht in Backnang

Buntspecht

Im Frühjahr bzw. Frühsommer sind auch die Meisen mit ihren Jungen gekommen, die sie weiter gefüttert hatten. In einem früheren Blogbeitrag  wurden bereits einige dieser Fotos gepostet und auf die Vorteile von Ganzjahresfütterungen verwiesen.

Bettelnde Jung-Kohlmeise

Bettelnde Jung-Kohlmeise

Das faszinierende an dieser neuen Leidenschaft ist jedenfalls die Tatsache, dass die Welt differenzierter wird. Man lernt so viel Neues, entdeckt direkt vor dem eigenen Küchenfenster eine neue Welt kennen, von der man bisher nichts geahnt hatte.

Sumpfmeise

Sumpfmeise

Die Kohl- und Blaumeisen stellen beim Landen ihre Kopffedern kurz auf, was einem Irokesen-Schnitt gleicht. Befindet sich bereits eine Meise auf dem Futtertisch, „verteidigt“ sie gerne das Futter, indem sie die Flügel halb ausbreitet, um sich größer zu machen. Dann „tänzelt“ sie vor dem Kontrahenten und droht ihm, der diese Geste oft auch erwidert.

Kleiber

Kleiber

Einzelne Vögel werden zu unverwechselbaren Charakteren: Der Kleiber ist ein besonders rabiater Geselle, der selten andere Vögel am Futterplatz duldet. Er scheucht die Meisen zuerst vom Tisch, bevor er mit dem Sammeln beginnt. Viele Vogelarten haben eine spezielle Art, sich zu bewegen. Mit der Zeit kann man schon von weitem unterscheiden, wer im Baum hüpft oder klettert. Eichelhäher beispielsweise „schleichen“ sich Stück für Stück heran, beobachten alles ganz genau, bevor sie sich heran trauen. Sieht man sie direkt an, kommen sie nicht, schielt man dagegen unauffällig, holen sie sich am liebsten Erdnüsse.

Eichelhäher

Eichelhäher

Mit der Zeit kennt man viele Arten, freut sich dann besonders über Neuentdeckungen und seltene Gäste, wie z.B. die Mönchsgrasmücke, auch wenn das Foto nicht besonders toll ist.

Männliche Mönchsgrasmücke

Männliche Mönchsgrasmücke

Ereignisse in der Vogelwelt, wie der Vogelzug, der momentan in Brandenburg für die Kraniche seinen Höhepunkt erreicht, sind in der Urlaubsplanung für 2017, spätestens 2018, vorgemerkt. Nähere Ziele für die Vogelbeobachtung sorgen für Vorfreude, dafür reicht schon ein Wochenende aus, zugleich verbringt man Zeit in der schönen Natur und bewegt sich (etwas). In Süddeutschland bzw. Baden-Württemberg sind der Federsee, die Wagbachniederung (zwischen Mannheim und Karlsruhe) oder das Naturschutzgebiet „Taubergießen“ (zwischen Freiburg und Offenburg) gute Beobachtungsplätze für Vogelfreunde. Diese Seite zeigt alle Birdingspots von Brandenburg, Bayern, Baden-Württemberg, Hessen, Bodensee und der Nordsee mit den jeweiligen zu beobachtenden Arten: Birding Germany

Hier kann man von seltenen Beobachtungen erfahren oder sie selbst melden: Club 300

Der nahende Winter stellt für alle Wildtiere eine außergewöhnliche Belastung dar, Nistkästen können Vögeln helfen, diese Zeit zu überstehen. Sie nutzen die Häuschen auch, um sich vor Wind und Wetter zu schützen. Wer kann und möchte, stellt bitte saubere und stabil befestigte Vogelkästen bereit, die für Katzen oder andere Prädatoren nicht zu erreichen sind. Wer ein Herz für Vögel und handwerkliche Fähigkeiten hat, kann Nistkästen auch selber herstellen.

Im Frühjahr ist es dann endlich wieder soweit, dann können u.a. Uhus beim Balzen, Brüten und der Jungenaufzucht bequem am Bildschirm verfolgt werden: Tier-Webcam-Sammlung

Siehe auch den Beitrag zur Vogelwelt auf Helgoland: Vogelparadies Helgoland

In Schweden ist der Tåkern See ein empfehlenswerter Birding Spot – Reisetipp für Vogelinteressierte

Froschkönig

Bergglück

Die Bergwelt ist für viele Menschen Sehnsuchtsziel, Wandern (nicht nur) in Deutschland beliebte Aktivität. Für mich ist das Gebirge vor allem auch ein optimales, sehr abwechslungsreiches und teils auch überraschendes Fotorevier.

Pittoreske Kuhweide

Pittoreske Kuhweide im Gauertal, im Hintergrund Sulzfluh und Drusentor

2014 entstanden diese Bilder im Montafon (Tschagguns), Region Vorarlberg, Österreich. Wer heute an Motivationsmangel leidet, kann sich gerne mit mir in die Berge flüchten (für eine realistischere Flucht, Kuhglocken-Konzert in der Dauerschleife laufen lassen, in einem weiteren Tab, als zusätzliche Audio-Unterstützung sozusagen). Wer bereits dort war, erkennt vielleicht den ein oder anderen Ort, schwelgt in eigenen Erinnerungen. Die Ortsunkundigen regt es möglicherweise zur Urlaubsplanung an. Aber allein schon die Bilder zu betrachten, kann eine Wohltat sein. Ansonsten: aus Süddeutschland sind es nur wenige Stunden Auto- oder Bahnfahrt, ideal für einen Kurztrip.

Montafon, Österreich

Blick auf die Untere Latschätzalpe

Die Stille in den Bergen ist unvergleichlich, besonders je höher man läuft, nur die natürliche Geräuschkulisse zu hören, erdet ungemein. Im Tal unten, wenn man startet, kann es sein, dass man ein Kuhglocken-Konzert geboten bekommt. Das stundenlange Laufen führt leicht zu einem Flow-Erlebnis, einer höchst angenehmen Stimmung, in der der innere Dialog endet und man pures Glück empfindet. Fotomotive finden sich überall en masse. Die Fotos hier sind von einer Tour zur Lindauer Hütte (1744m), einfache Strecke ca. 2,5 h ab Vollsporaalpe, durch das Gauertal (je nach Kondition und Tempo variiert die Dauer natürlich, wir sind eher „gemütlich“ gelaufen). Besonders nach einem steilen oder anstrengenden Anstieg, wenn man oben ankommt und alles überblicken kann, stellt sich ein Hochgefühl ein. Wie sagte Edmund Hillary so treffend? „Es ist nicht der Berg, den wir bezwingen – wir bezwingen uns selbst.“

Auf dem Weg zur Lindauer Hütte

Auf dem Weg zur Lindauer Hütte, Blick zum Bilgengrat

Hin und wieder eine Pause machen, die Landschaft genießen, gehört dazu.

Rückweg von der Lindauer Hütte Richtung Gauertal

Im Gauertal (Rückweg Lindauer Hütte)

Kultur und Tradition

Im Juni damals wurden die Kühe zurück auf die Weiden gebracht, was ein unvergessliches Spektakel war. Noch nie habe ich Tiere so übermütig und ausgelassen gesehen. Es war eine Freude, sie hüpfen und springen zu sehen, sie konnten es fast nicht fassen, dass sie wieder im Grünen waren (siehe auch Alpabtrieb, unten).

Wildblumen für die Nachbarn zur Begrüßung

Wildblumen für die Nachbarn zur Begrüßung

Generell sollte man fremde Tiere natürlich nicht füttern, machen wir sonst auch nicht, aber es waren sowieso nur die Blumen, die auf der Weide auch zu finden sind, die sie mehr beschnuppert haben.

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Der Wechsel der Jahreszeiten

Jede Jahreszeit hat ihren besonderen Reiz, bisher konnte ich Sommer und Winter erleben, Frühling und Herbst in den Bergen stehen leider noch aus. Vor allem die Brunftzeit der Hirsche, wenn sie laut grölen und der Platzhirsch seine Konkurrenten verjagt, dürfte spannend sein. Der Viehabtrieb/Alpabtrieb ist sicher auch interessant, wenn die Tiere wieder in den Stall kommen für den Winter.

Zwischen Gauertal und Lindauer Hütte

Bei der Oberen Latschätzalpe

Drei Türme im Nebel

Drei Türme und Sulzfluh im Nebel

Bach im Gauertal

Rasafeibach im Gauertal

Der Mond über der Mittagsspitze

Der Mond über der Tschaggunser Mittagsspitze

Persönliche Erfahrungen und Empfehlungen

Tipps: Übernachten und Essen kann man z.B. im Gauertalhaus (Naturfreundehaus) ganz wunderbar, es sind wirklich sehr nette Gastwirte, die zudem Wert auf gute Lebensmittel legen (Bio-Qualität, die in der eigenen Landwirtschaft produziert wird). Im Sommer ist das Alpenfreibad im Tal mit seinem Naturschwimmbecken ein Highlight für Wasserratten. Im Winter ist das Gebiet natürlich von Wintersportlern bevölkert.

Montafon im Winter

Blick vom Hoch Joch Richtung Rellstal (Winter 2014)

Auf dem Weg ins Gauertal

Auf dem Weg ins Gauertal (Winter 2014)

Berge und Medien

Wer sich für Berge interessiert, kann dies in zahlreichen Bereichen vertiefen, hier folgen Beispiele.

Literatur: Wenn ich an Berge denke, muss ich auch an ein Buch denken. Für Leseratten, die die Berge lieben, habe ich daher einen Buchtipp: „Die Wand“ von Marlen Haushofer (1963, wurde 2012 verfilmt). Es ist ein sehr intensives Buch, das ich nicht mehr aus der Hand legen wollte. Schwere Kost, aber sehr inspirierend. [Weibliche Robinsonade]

Malerei: Eines der bekanntesten Motive aus der Romantik greift das Thema Berge und Wandern auf:

Caspar David Friedrich: Der Wanderer über dem Nebelmeer (1818, das Bild ist gemeinfrei, Download bei Wikipedia bspw.)

Caspar David Friedrich: Der Wanderer über dem Nebelmeer (1818, das Bild ist gemeinfrei, Download bei Wikipedia bspw.)

Internet: Für alle Bergfans eine Blog-Empfehlung: Auf und Ab – Outdoor, Bergsport, Abenteuer Sven und Co. sind kompetente Berater rund ums Thema.

Fotografie: Heinz Zak ist Extremkletterer und Fotograf in Personalunion, er macht atemberaubende Bilder.

 

 

Wolken über Backnang

Himmelsshow und Photosophie

Ein Leben ohne Photographie ist möglich, aber sinnlos (frei nach Loriot).

Sonnenaufgang in Backnang

Sonnenaufgang in Backnang

Der frühe Vogel Photograph fängt den Wurm (oder was auch immer) (ein)…

Sonnenaufgang in Backnang (2)

Sonnenaufgang in Backnang (2)

Alles hat ein Ende, nur die Wurst hat zwei Photographie nicht (so schnell)…

Die Sonne müht sich aus dem Bett

Die Sonne müht sich aus dem Bett

 

Alter schützt vor Torheit Photographie nicht…

Wirbelartige Wolkenformation

Wirbelartige Wolkenformation

Aus Schaden Photographie wird man klug (oder auch nur aufmerksamer)…

Zauberhafte Wolken

Zauberhafte Wolken

Hinterher ist man immer klüger bilderreicher…

Der Sonnenaufgang färbt den Himmel ein

Der Sonnenaufgang färbt den Himmel ein

Lieber arm dran als Arm ab Foto weg…

 

 

 

Jugendlicher Höckerschwan

Was Wasservögel, Psychologie und Märchen miteinander zu tun haben

Jugendlicher Höckerschwan

Jugendlicher Höckerschwan

Der gleichnamige Fluss in Nagold bietet für allerlei Wasservögel einen Lebensraum, für die Bewohner der Stadt eine gute Möglichkeit, diesen bequem zu beobachten. In meiner Heimatstadt liebte ich es bereits im Kindesalter Enten und Co. zu besuchen.

Höckerschwan

Höckerschwan

Hier könnt ihr die schönsten Aufnahmen von vergangenem Sonntag sehen.

Die unzertrennlichen Geschwister der Höckerschwäne

Die unzertrennlichen Geschwister

Ich kann gut verstehen, dass Schwäne in vielen Kulturen eine Rolle spielen und schon lange Menschen faszinieren, Begriffe wie Schwanengesang, das Ballett Schwanensee von Tschaikowsky u.ä. beweisen dies. Die Vögel sind für mich auch besonders reizvoll und ein beliebtes Fotomotiv. Das Märchen vom Häßlichen Entlein habe ich als Kind geliebt, danke an Hans Christian Andersen fürs Schreiben und danke Mama fürs (vermutlich) hundertfache Vorlesen…

Bei dem dänischen Autor kommt die Literaturpsychologie ins Spiel: Andersen soll selbst ein „häßliches Entlein“ gewesen sein, in armen Verhältnissen geboren, soll er sich selbst oft ausgestoßen gefühlt haben (Duve/Völker: Lexikon berühmter Tiere, Frankfurt a. M. 1997, S.299). Vielleicht konnte der Weltruhm diese vergangene Schmach etwas kompensieren…

Gefieder-Geschwader im Anmarsch

Gefieder-Geschwader im Anmarsch

Aber es gibt nicht nur Schwäne, sondern auch Blässhühner, Stockenten und andere Wasservögel.

Guter Fang

Guter Fang (Zwergtaucher?)

Diesen erfolgreichen Fischer konnte ich nicht bestimmen, leider. Wer helfen kann, schreibe mir gerne.

Blässhuhn-Familie

Blässhuhn-Familie

Wasseramsel

Wasseramsel

Wasseramsel auf der Lauer

Wasseramsel auf der Lauer

Links für die, die jetzt richtig Lust auf Märchen bekommen haben:

Eine günstige Gelegenheit, sich mittels einer alten Geschichte aus der Kindheit, an vergangene Zeiten zu erinnern. Die neuerliche Lektüre kann auch neue Interpretationen mit sich bringen, womöglich erkennt man auch jetzt im Rückblick, was genau einen an einer Lieblingsgeschichte besonders angesprochen hat.

Synapsen konditionieren

Basstölpel mit Nistmaterial

Basstölpel mit Nistmaterial

Vor einem Jahr endete meine Reise in Helgoland, nach drei Monaten Sonne, Strand und Natur. Die Düne mit ihren langen, fast menschenleeren Stränden, bevölkert von Vögeln und Seehunden/Kegelrobben stattdessen, ist mittlerweile fest in meinem Kopf beheimatet. Höre ich einen Möwenruf oder Wellenrauschen, ploppen Bilder auf meiner „Festplatte“ auf.

Dann sehe ich mich wieder im Sand liegen, sehe die Brandung unermüdlich, zufrieden Sand abtragen, sehe ich die Robben mit zugekniffenen Knopfaugen ihren friedliebenden Bauch in die Sonne strecken, sehe ich Kinder sorgenlos im geschichtsträchtigen Sand spielen, sehe ich das blitzschnelle Glitzern auf dem Wasser, sehe ich die rotäugigen Austernfischer galant streiten und flitzen, sehe ich die Basstölpel senkrecht ins müde Meer stürzen, sehe ich die Eiderenten eine triebhafte Möwe belehren, sehe ich verzweifelt die Möwenküken betteln, sehe ich Quallen fließend vertrocknen, sehe ich die Steine behäbig rollen, sehe ich die vielen verschiedenen Farben im Sand, sehe ich die Boote stetig kleiner werden, sehe ich die Köpfe größer werden und um einen Körper anwachsen, sehe ich den von Fliegen umschwirrten Tang (der wie ein altes, verschwurbeltes Kassettenband aussieht), sehe ich die Spaziergänger den gierigen Sand absuchen, sehe ich die Sonne alleine wandern, sehe ich die Flugzeuge eintrudeln, sehe ich den Abend nahen.

Dann höre ich das ewige Tönen des Meeres, dann höre ich die gedämpften und gebräunten Stimmen, dann höre ich das tiefe und erhabene Brummen der Schiffsmotoren, höre ich die Kinder satt zanken, höre ich die geliebten Möwen klagen, höre ich das hysterische Fiepen des höflichen Austernfischers, höre ich den Wind Sand rauben, höre ich das niedliche Grummeln der Robben, höre ich die Enten grinsen, höre ich die Flieger in der Luft paddeln, höre ich die Teller ungeduldig auf dem Tisch sich niederlassend, höre ich die Basstölpel sich ermutigend zurufen, höre ich wieder Wind und Wellen in vertrauter Zweisamkeit.

Robben auf der Düne (Helgoland).

Robben auf der Düne (Helgoland)

Ich möchte die Augen schließen und noch ein bißchen dort verweilen, von wo meine Seele sich weigert, fort zu gehen. Möchte noch ein bißchen fühlen, wie der Sand auf der Haut kribbelt und juckt. Möchte mich zu den Robben legen und auch etwas den Speck wärmen lassen. An nichts denken, einfach nur liegen. Dieser im Realen nicht vorhandene Ort, der doch so nah und doch so fern ist.

Südstrand auf der Düne (Helgoland)

Südstrand auf der Düne (Helgoland)

Alter Schwede III

Bohuslän, Orust

Bohuslän, Orust

Der letzte Teil der Reise, bei dem man mehr und mehr realisiert, dass der Urlaub ein Ende nimmt…Eine vielleicht teils sentimentale Rückschau.

Der Ausblick einer der schönsten Rastplätze

Auf dem Weg nach Westen (einer der schönsten Rastplätze)

Von Stockholm geht die Reise weiter an die Westküste, genau gesagt Bohuslän – nördlich von Göteborg. Auch hier gibt es Schären, also vorgelagerte Inselchen, mit dem Unterschied, dass sie hier in die Nordsee gebettet sind. In unserem Reiseführer wird die Landschaft als besonders wild, schön und beeindruckend beschrieben. Wir haben uns daher entschieden, die letzten 2, 3 Tage auf der Insel Orust zu verbringen. Ich beginne zu realisieren, dass das Urlaubsende naht und das bringt einen seltsamen Gefühlscocktail mit sich. Einerseits Wehmut, ich versuche also noch alles besonders intensiv zu genießen. Andererseits Freude, da ich über drei Monate woanders verbracht habe und mich also auch wieder freue, nach Hause zu kommen.

Der Reiseführer lügt nicht, die Landschaft ist atemberaubend schön und so anders, ich kann mich gar nicht satt sehen.

Bei Orust

Bei Orust

Und auch hier wieder: es sind kaum Touristen unterwegs, wir haben das alles fast für uns alleine! Es ist Anfang September, in Deutschland noch Ferienzeit. Ganz im Westen, in Stocken, finden wir einen Campingplatz mit Holzhütten – und yes – wir bekommen eine, recht günstig für Schweden. Wirklich eine süße Hütte, sechs Leute könnten Platz finden, mit Bad und Küche usw., sauber, ich bin begeistert. Und alles ist so gut wie verlassen, das passt auch gut zu dieser wildromantischen Landschaft.

Bohuslän - Landschaft auf Gullholmen

Bohuslän – hier Gullholmen

Süße, kleine Dörfer, die wie aus einer anderen Zeit wirken, so abgeschnitten von unserer gewohnten Welt. Hier muss es sich gut leben, ich wünsche mir auch so ein Haus in der Einsamkeit. Es gibt vermutlich nicht viele Attraktionen. So ist der Tourist oder Besucher ganz darauf angewiesen, sich selbst zu beschäftigen. Besonders außerhalb der Saison. Wir entscheiden uns für eine Fahrt zu einer Orust vorgelagerten, weiteren Insel: Gullholmen. Die Landschaft ist irgendwie grotesk, überall Felsen, riesige Felsbrocken und natürlich Heidekraut. Ein Wanderweg soll den Besucher leiten, aber innerhalb dieses Felsenlabyrinths verlieren wir die Pfeile irgendwann aus den Augen und müssen verstärkt klettern. Aber das ist cool und macht Laune, die Entdeckerlust macht sich breit und die Zeit vergeht ohne dass wir es bemerken.

Klettern auf Gullholmen

Auf Gullholmen

Wir haben aber auch mal wieder Glück. Der Wettergott ist freundlich gesinnt. Solche Erlebnisse sind es doch, die einem etwas geben, was schwer in Worte zu fassen ist. Dazu braucht es nicht viel, man muss einfach loslaufen und die Augen offen halten. Das hört sich eventuell schon wieder nach Klischee und Küchentischpsychologie an. Aber ich kann nicht anders, besonders jetzt im Rückblick, denke ich: was für ein Erlebnis und schöpfe daraus Positives. Und das bemerkenswerte ist, dazu müsste ich wohl nicht mal 3000 km (oder wieviel auch immer) fahren. Vielleicht auch einfach mal daheim ein paar Kilometer, wenn überhaupt, fahren/laufen oder besser direkt vor der Tür und los gehts. Der Plan ist gefasst, das ist sowas wie ein verfrühter Neujahrsvorsatz (wie ich das hasse!), einer von vielen, die während des Jahres gefasst wurden.

so weit das Auge reicht...

fast an der Küste angelangt

Vielleicht liegt das auch am Alter, dass man sentimental wird und gerne gute Ratschläge verteilt. Genug davon also. Am Meer – endlich. Wieder nix mit Baden. Zu viele Quallen, zu viel Tang und Schlonz. Nach etwas verschnaufen wieder zurück zur Fähre. Ursprünglich wollten wir eine Nacht bleiben, letztendlich werden es zwei. Aber auch dieser Zeitraum genügt nicht, um alles zu sehen, alles zu entdecken. Hat was Gutes: so bleibt der Ort interessant und einer Rückkehr steht nichts im Wege. Als wir nach Hause fahren, ca. 15 Stunden am Stück, bleibt die gute Laune anfangs. Kaum sind wir 100m auf der deutschen Autobahn: Stress! Diese Dränglerei, dieser Geschwindigkeitswahn, so ein unentspanntes Fahren. Da lob ich mir doch die dänische und schwedische Geschwindigkeitsbegrenzung (110km/h auf der Autobahn) und deren unerschütterliche Entspanntheit!

Treib gut

Robbe in der Brandung

Robbe in der Brandung

 

Die Brandung im Ohr, die Sonne auf der Haut, vor Deinen Augen die faulen Robben und Seehunde…was braucht es mehr? Eine natürliche Meditation. Der Wind bläst unaufhörlich, aber in eine Decke eingepackt, ist es nicht unangenehm. Ich beobachte die Raubtiere, von denen die meisten regungslos liegen. Manche allerdings sind auf Krawall gebürstet, ich schätze mal die Männchen, was denn sonst. Hin und wieder sind die Möwen und Austernfischer zu hören, deren schrille Schreie mich zurück holen aus der Versenkung. Oder ein Flugzeug startet und erinnert mich an die Zivilisation. Sonst aber fühle ich mich wie in einer anderen Welt, denn Menschen sind hier auch nicht im Überfluß vorhanden. Oft hat man den ganzen, weiten Strand sogar alleine für sich. Welch ein Traum! Ich könnte hier für Stunden liegen und hätte keine Langeweile. Einige Robben und Seehunde schwimmen oder lassen sich von der Brandung schaukeln. Schön anzusehen, wie sie es genießen, von den Wellen sanft gewiegt zu werden. Manche wiederum spielen miteinander und raufen sich. Sie stören sich nicht an mir, obwohl ich nur ca. 30m entfernt bin (das ist der Sicherheitsabstand auf der Düne, näher darf man nicht an die Tiere heran).Die Tiere sind eine der Hauptattraktionen von Helgoland, kein Wunder, wann bekommt man schon mal solche Tiere zu Gesicht, also in freier Wildbahn, versteht sich.
Im Winter werden die Jungtiere geboren, 2014/15 sind es etwa 240 Babys gewesen, die das Licht von Helgoland erblickt haben. Was für eine Vorstellung, im Winter geboren zu werden, bei der Kälte! Aber die Tiere sind warm eingepackt, in ihre Fettschichten.

Robbenland

Robbenland

Ich frage mich, wie es ist, wenn man auf der Düne baden geht, ob die Tiere dann zu mir kommen? Muss ja ein übler Schreck sein, wenn man unter sich plötzlich so eine schwarze Silhouette im Wasser sieht, oder nicht? Da die Temperaturen bisher noch nicht sehr hoch waren, habe ich bisher noch nicht gebadet. Ich hoffe, es wird noch etwas wärmer.

Was mich auch etwas irritiert, ist, dass die Nordsee nicht so intensiv nach Meer riecht, wie ich es bisher vor allem vom Mittelmeer gewohnt bin. Am Salzgehalt kann es doch nicht liegen, der ist minimal kleiner als im Mittelmeer (3,5 vs. 3,74%). Ein Freund meinte, es liege womöglich an der Wasserverschmutzung. Laut einschlägigen Webseiten ist das Wasser um Helgoland 1A, also sehr sauber. Also falls jemand es sicher weiß, ich bin gespannt auf eine Antwort!

Badende Robbe

Badende Robbe

Die Robben interessiert es nicht, die fläzen weiter am Strand. Hin und wieder vollführen sie lustige Gymnastikübungen, so dass sie wie ein U aussehen. Oder suchen sich eine bequemere Position. Dann lassen sie sich wieder treiben, träumen von frischem Fisch.

Yoga-Seehund

Yoga-Seehund