Bitte gib nicht auf! Ich weiß, es ist hart. Ich weiß, es scheint oft sinnlos. Ich weiß, Du fühlst Dich oft alleine. Unter all diesen Ignoranten, Gutmensch-Hassern und selfiestickschwenkenden Egophilen.

Aber Du bist die einzige Hoffnung, die wir noch haben. In all dem Elend, das uns tagtäglich über diverse Mattscheiben oder Displays anspringt, bist Du ein Hoffnungsträger. Ein Leuchtturm. In Momenten, in denen ich nahe der Verzweiflung bin, lese ich von Dir und weiß, es gibt sie noch. Die sogenannten Gutmenschen. Es lohnt sich immer, sich dem Leid und der Not zu widersetzen und ist alles, nur nicht dumm. Im Gegenteil: Es ist das Wunderbarste und Klügste, was wir tun können, wir als sogenannte außergewöhnlich vernunftbegabte Wesen. Homo sapiens, das ist der weise Mensch, wie er sich selbst einst nannte, es muss ein Wunschdenken gewesen sein, das hier zum Ausdruck kam, wie einige unserer Handlungen nahelegen.

Unter 100 Meldungen, die von Gewalt, Terror und Unmenschlichkeit zeugen, findet sich gefühlt nur eine Meldung von Menschlichkeit und Mitgefühl – aber genau diese eine besitzt eine beinahe magische Macht, die die anderen 100, und wenn auch nur kurz, verblassen lassen und erträglicher machen kann. Wir brauchen Dich daher mehr als alles andere!

Du kämpfst für eine gute Sache und glaubst, es zeigt keine Wirkung? Manchmal muss es nicht die große oder sichtbare Veränderung sein, manchmal wirkt „das Gute“ im Verborgenen und Kleinen. Manchmal benötigt es einfach etwas Zeit, wirklich nachhaltige Veränderungen sind oft nicht sofort sichtbar, sondern reifen wie ein guter Käse oder Wein. Wichtig ist nur, dass Du daran glaubst, vertraue auf den Prozess. Der Rest kommt oft von alleine und geschieht im Unbewußten.

Auch wenn sich Dir keine Wirkung zeigt, kann es sein, dass Du z.B. mich neue Hoffnung und Kraft schöpfen lässt, obwohl Du es nicht mitbekommst. Also warte bitte nicht auf ein Zeichen und sei dann nicht enttäuscht, es gibt keinen Grund dazu…

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Wer jetzt meint, dies wäre esoterischer Quatsch oder naiv, der irrt. Leute, die verächtlich über Gutmenschen schimpfen, haben vielleicht schon die ein oder andere Enttäuschung erlebt. Manche von ihnen haben wiederum ein Menschenbild, das die Fremden pauschal verurteilt. Hinter all dem steckt aber Angst: Angst, wieder verletzt zu werden; Angst, benachteiligt zu werden. Aber dieses Bild ist sowieso schief und ungenau, denn es suggeriert, dass unsere Lieben uns nie enttäuschen, uns nie übervorteilen wollen, uns nie verletzen. Natürlich nie in einem Ausmaß, das wir nicht verkraften könnten, und wenn doch, dann trennen sich eben mal gemeinsame Wege. So ist das Leben. Aber im Kleinen passiert es doch ständig, dass wir unangenehme Aufgaben Anderen überlassen. Die Kaffeemaschine im Büro, die nach der Benutzung nicht gesäubert wird; der Müll, der achtlos in den Grünstreifen geworfen wird; der Wohnungsputz in der WG, der so lange aufgeschoben wird, bis der/die Reinlichste aufgibt und die Ärmel hochkrempelt. Der achtlos hingeworfene Satz, der mich verletzt und kränkt, obwohl er/sie es doch besser wissen müßte.

Dann aber gibt es noch diese schönen Momente, in denen Du in der Kaffeeküche versumpfst, weil Du Dich mit der sympathischen Kollegin unterhältst und darüber die Zeit vergißt. Dieser Moment, wenn Dein WG-Mitbewohner etwas Leckeres gekocht hat und Dich nach einem anstrengenden Tag einlädt. Dieser Moment, wenn Du unerwartet ein ernst gemeintes Kompliment erhältst, ein offenes Lächeln von einem Fremden, der Dir seinen Platz in der überfüllten Bahn anbietet. Dies sind die wahren Helden, die kein Dankeschön einfordern, sondern um das Auf und Ab wissen und ihren Teil dazu beitragen möchten, dass die Talfahrt nie zu lange andauert.

Viel zu oft fordern wir nur ein und wollen unsere Ansprüche erfüllt bekommen. Die höchsten Ansprüche sollen möglichst nichts kosten und bitteschön sofort befriedigt werden. Diese Konsumhaltung betrifft nahezu jeden Lebensbereich, alles muss schön sein, toll sein, Spaß machen. „Ästhetische“ Menschen ruinieren die Welt. Ohne Chemiekeulen sind Gurken hin und wieder angefressen oder Karotten verwachsen und erfordern mehr Mühe beim Schälen. Dass der Geschmack der „häßlichen“ Stücke die Arbeit mehr als belohnt, ist da zweitrangig.

Die Schlimmsten sind diejenigen, die sagen, es hat ja doch keinen Sinn, etwas ändern zu wollen. Ihnen ist bewußt, dass etwas falsch läuft, sie sind aber zu bequem, zweifeln zu viel oder haben resigniert, statt die Dinge in die Hand zu nehmen. Diejenigen, denen es egal ist oder die sogar bestreiten, dass wir Probleme haben, sind sowieso nur schwer erreichbar, wenn überhaupt – sie sind erst mal zu vernachlässigen. Nichts ist alternativlos, wir können sehr wohl etwas tun. Auch kleine Schritte führen zum Ziel, wie man sagt. Nicht jeder kann alles ändern oder die ganze Welt retten, aber viele können es sehr wohl! Würde sich nichts ändern, säßen wir noch in Höhlen und würden grunzen.

Beispiel: Wildtierverbote in Zirkussen. Vor wenigen Jahrzehnten noch hat sich darüber kaum einer den Kopf zerbrochen, geschweige denn daran gestört. Dass Tiere zu unserer Unterhaltung dienen sollten, war eine stillschweigende Annahme und noch ein relativ „harmloser“ Aspekt unserer Einstellung gegenüber nicht-menschlichen Tieren, vergleicht man es mit der Massentierhaltung und der anschließenden industriemäßigen Schlachtung, um nicht zu sagen das Gemetzel. Vielen Menschen ist jetzt bewußt geworden, dass diese Art des Umgangs mit Tieren nicht vertretbar ist und möchten dies nicht weiter unterstützen. Bisher ist das Verbot nur stellenweise kommunal umgesetzt worden: Städte wie Stuttgart, Heidelberg oder Ulm stellen keine öffentlichen Flächen mehr für Zirkusse mit Wildtieren (oder wenn dann nur mit Einschränkungen) bereit. Es macht Hoffnung zu sehen, dass sich etwas tut, wenn auch nur schleppend.

Die Frage drängt sich auf: Was wäre möglich, wenn wir daran glauben würden, etwas ändern zu können und es angingen, anstatt andauernd zu zweifeln?

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„Fast acht Milliarden Menschen, doch die Menschlichkeit fehlt…“ (Sido feat. Andreas Bourani: „Astronaut“)

 

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2 Gedanken zu “Bitte gib nicht auf! #gutmensch

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