Schwarzweiß-Photographie – eigentlich müsste sie Grauwertphotographie heißen – ist neben der Farbphotographie eine zusätzliche Ausdrucksform. Es kann nicht darum gehen, was besser oder schlechter ist, jede hat ihre eigenen Möglichkeiten. Schließlich würde auch niemand auf die Idee kommen und nur Ölmalerei als Mittel der Wahl bezeichnen.

Die Schnecke

Schwarzweiß-Photographie konzentriert sich aufs Wesentliche: besonders Strukturen, Formen und Muster sind geeignete Motive. Farbe „stört“ da nur und verwirrt den Blick. Zugleich ermöglicht sie eine Perspektive und Wahrnehmung, die der Mensch mit seinen Sinnen nicht erleben kann. Womöglich ist es diese ungewohnte Sicht auf die Welt, die den Menschen so reizt?

Wurmlinger Kapelle

Wurmlinger Kapelle

Es empfiehlt sich, Fotos zunächst in Farbe aufzunehmen und erst später am PC in s/w umzuwandeln (wir beschränken uns hier natürlich auf digitale Kameras). Daher ist es nötig, sich schon vorher das Motiv als s/w-Bild vorstellen zu können. Wer photographische Erfahrung hat, weiß bereits, dass die Kamera nie das wiedergibt, was man wahrgenommen hat. Daher ist es immer eine Frage von „Übersetzung“ und noch viel mehr von „Gestaltungswillen“, da jedes Bild ein konzentrierter und subjektiver Ausschnitt der Wirklichkeit ist.

Fingerhut

Fingerhut

Wie aber kann man sich das Schwarzweißdenken aneignen? Übung! lautet die schlichte Antwort. Ich persönlich habe viel probiert und getestet, habe mir also über die Zeit einen „Blick für Motive“ antrainiert. Das gilt verständlicherweise nicht nur für s/w, sondern ist sicherlich bei allen Photophilen für alle photographischen Ausdrucksmittel der Fall. Ein Tipp, den man auch immer wieder liest/hört: Sich Bilder anschauen, die einem gefallen. Dann kann man sich Gedanken machen, was genau gefällt mir? Wie wurde das Bild aufgenommen? In Fotoforen oder Tutorials sind die sogenannten Exif-Daten genau zu diesem Zweck angegeben. Exif-Daten sind die Metadaten einer Aufnahme, also Belichtungszeit, ISO, Blende usw. Darüber hinaus dient dies der Inspiration und man kann sehen, was überhaupt alles möglich und momentan beliebt ist.

Schmetterling (Wilhelma)

Aber am Ende zählt doch nur, was einem selbst gefällt und der kreative Photographierende erschafft auch stets neue Werke. Das schöne an der Photographie (altgriechisch phos/gen. photos – Licht, graphein – schreiben, malen, zeichnen -> also malen/zeichnen mit Licht) ist ohnehin, dass der Phantasie (fast) keine Grenzen gesetzt sind.

Seerose

Wer einmal begonnen hat, zu photographieren oder auch nur Motive zu suchen bzw. diese „umzudenken“, wird schnell feststellen, wie wenig man im Alltag eigentlich sieht. Erst wenn man konzentriert hinschaut, versucht, sich Dinge in s/w vorzustellen, bemerkt man, wie viele interessante Gegenstände, Formen, Strukturen, Gebäude, Landschaften (oder was auch immer) sich in direkter Umgebung finden. Selbst wenn Du Deine Kamera gerade nicht dabei hast, blick Dich um! Versuche auch im scheinbar Alltäglichen etwas Interessantes heraus zu filtern. Nicht nur beim Photographieren sollte man sich mit den Motiven auseinandersetzen.

Baum

Nicht nur die Motivwahl ist relevant, auch die technischen Feinheiten können experimentell und spielerisch variiert werden. Ein und dasselbe Motiv kann man mit verschiedener Brennweite, Blende, ISO, verschiedenen Schärfegraden und -arten (Schärfentiefe, Bewegungsschärfe, Motivschärfe – Nebel usw.) ablichten. Oder die Perspektive wechseln: Vogel- oder Froschperspektive sind die Extrempole zur Normalperspektive (frontal). Das ist der Vorteil der digitalen Photographie: Zigtausende Bilder könnte man theoretisch machen…

Farbe oder Schwarzweiß?

Farbe oder Schwarzweiß?

Während das farbige Bild eher positiv wirkt, wirken solche s/w-Himmel oft düster und dramatisch. Die Wahl ist also auch von der gewünschten „Aussage“ abhängig.

cropped-img_1970sw1.jpg

Beispiel für Motiv(un)schärfe: der Nebel sorgt für geringe Schärfe.

Spielerisches Lernen, Testen und Experimentieren ist der Weg, um seine Photos immer weiter zu entwickeln und die Fähigkeiten zu vertiefen. Wem das keinen Spaß macht, sollte die Kamera eventuell auch einfach einem „wahren“ Photographiebegeisterten schenken. In diesem Sinne, ich bin dann mal eben lichtmalen…

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