Immer nach dem Frisör war ich tiefenentspannt. Oder in einer Bibliothek. Mit einer schnurrenden Katze auf dem Schoß. In einer medizinischen Untersuchung oder während einer Studienteilnahme. Als ich dann zum ersten Mal mit ASMR in Kontakt kam, war es wie eine Erleuchtung. Plötzlich war alles so klar und hatte einen Namen.

ASMR: Autonomous Sensory Meridian Response, das sind „angenehme körperliche und emotionale Empfindungen (sogenannte Tingles)“, die durch „bestimmte Sinnesreize (sogenannte Trigger)“ ausgelöst werden (Quelle: ADHSpedia). Es ist wieder mal ein digitales Phänomen bzw. Hype, auf Youtube und Co. sprießen die ASMR-Artists und Kanäle wie Pilze nach einem Regenschauer. Entspannung und Einschlafhilfen sind gefragt wie nie, möchte man meinen. Auf Youtube bietet die Suche mehr als 5,8 Millionen Ergebnisse, da ist für jeden Geschmack etwas dabei. Wer entsprechend viel Zeit hat, kann sich sogar 10 Stunden lang berieseln lassen:

Screenshot von

Screenshot von „MassageASMR“s Video (Youtube)

Aber längst nicht Jede/r ist wohl dazu fähig, jenes wohlige Kribbeln, die Schauer am ganzen Körper oder sogar tranceähnliche Zustände zu erspüren bzw. zu erreichen. Meiner Erfahrung nach, gilt es das Passende für sich zu finden (daher nicht gleich aufgeben!), da jeder Mensch auf andere Trigger reagiert. Noch besser wirken die Videos oder Audios mit Kopfhörern.

ASMR ist Neuland für die Forschung

Da das Phänomen erst seit wenigen Jahren im Netz richtig populär geworden ist, gibt es bisher kaum noch Untersuchungen dazu. Das Gefühl kannten viele Empfängliche davor, aber erst durch die Verbreitung und Diskussion im Internet konnten es viele konkret benennen und fassen, so wie ich auch.

Die Pionier-Studie von Tom Dnetto (2014) befasste sich mit dem Thema und identifizierte u.a. die beliebtesten Trigger: Flüstern, persönliche Zuwendung, (simulierte) Gesichtsmassagen. Schon im Titel der Studie postuliert Dnetto, dass es sich bei ASMR um teils Flow-ähnliche Zustände handeln könnte. ASMR kann wohl auch bei Depressionen und Angststörungen helfen: Dnetto vermutet, dass der Konsum von Videos oder Audios – vor allem das bewußte Sich-Zeit-Nehmen und konzentrierte Ansehen/Hören – Achtsamkeitsübungen oder Meditation gleicht. Der Fokus auf die positiven Gefühle durch ASMR könnte die Verbesserung der Stimmung insgesamt bei einigen Befragten erklären. Zugleich verspricht ASMR also auch therapeutischen Nutzen, wobei interessant ist, dass manche Patienten sich bereits „selbst heilen“, während Wissenschaftler sich dagegen noch staunend damit auseinandersetzen.

Videos

Auswählen kann man z.B. aus kaum hörbarem/verstehbarem Geflüster, Rollenspielen (z.B. Lara Croft, X-Men uvm.), Wiederholen von bestimmten Silben oder Worten, Kratzen und anderen Geräuschen (Tappen, Kratzen, Bürsten…), Katzenschnurren, Massagen, Handarbeiten (z.B. mit „kinetic sand“ – Sandknete), Arbeiten  im Zen-Garten, Doodling (Zeichnen) usw…Der Phantasie sind kaum Grenzen gesetzt, viele der Produzenten sind sehr kreativ und innovativ und daher erweitert sich das Angebot ständig um teils überraschende Genres (Was aktuelles, völlig verrücktes zu Thanksgiving: Truthahn Massage).

ASMR Doodling (Zeichnen)

ASMR Doodling (Zeichnen)

Audio

Ich nutze solche Geräuschkulissen auch gerne zur besseren Konzentration bzw. zur „Auto-Konditionierung“ zum Lernen/Arbeiten. Manchmal fällt es mir schwer, mich auf meine Aufgaben zu konzentrieren, deswegen sind solche „Tricks“ ganz hilfreich. Wer ASMR auch lediglich durch das Ohr erfahren möchte, kann z.B. den Noise Generator (www.MyNoise.net) nutzen.

Noise Generator: www.myNoise.net

Noise Generator: http://www.myNoise.net

Fazit: Ich finde ASMR wirklich sehr hilfreich und entspannend, möchte es euch also ans Herz legen und empfehlen – vor allem natürlich denjenigen, die es bisher nicht kennen. Aber Vorsicht: es besteht Suchtgefahr…

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Ein Gedanke zu “ASMR: Entspannung durch Flüstern, Knistern, Knittern, Schnurren

  1. hey du, na alles klar soweit? fand den Beitrag echt interessant und werde das mit dem Katzenschnurren definitiv mal ausprobieren, normalerweise höre ich mir zur Entspannung oder Konzentrationsförderung Meditationsmusik an, wie z.B. https://youtu.be/MNJDn8VcZ9Q aber ich habe schon hin und wieder die Erfahrung gemacht, das in manchen Situationen es eher das Gegenteil bewirkt und vielleicht ist ja für solche Momente ASMR genau das Richtige… Weißt ja, ich bin immer offen für neues. Wie geht’s dir denn eigentlich so? Müssen mal wieder miteinander quatschen und austauschen 😉 Grüßle Gerd

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