Alter Schwede III

Bohuslän, Orust

Bohuslän, Orust

Der letzte Teil der Reise, bei dem man mehr und mehr realisiert, dass der Urlaub ein Ende nimmt…Eine vielleicht teils sentimentale Rückschau.

Der Ausblick einer der schönsten Rastplätze

Auf dem Weg nach Westen (einer der schönsten Rastplätze)

Von Stockholm geht die Reise weiter an die Westküste, genau gesagt Bohuslän – nördlich von Göteborg. Auch hier gibt es Schären, also vorgelagerte Inselchen, mit dem Unterschied, dass sie hier in die Nordsee gebettet sind. In unserem Reiseführer wird die Landschaft als besonders wild, schön und beeindruckend beschrieben. Wir haben uns daher entschieden, die letzten 2, 3 Tage auf der Insel Orust zu verbringen. Ich beginne zu realisieren, dass das Urlaubsende naht und das bringt einen seltsamen Gefühlscocktail mit sich. Einerseits Wehmut, ich versuche also noch alles besonders intensiv zu genießen. Andererseits Freude, da ich über drei Monate woanders verbracht habe und mich also auch wieder freue, nach Hause zu kommen.

Der Reiseführer lügt nicht, die Landschaft ist atemberaubend schön und so anders, ich kann mich gar nicht satt sehen.

Bei Orust

Bei Orust

Und auch hier wieder: es sind kaum Touristen unterwegs, wir haben das alles fast für uns alleine! Es ist Anfang September, in Deutschland noch Ferienzeit. Ganz im Westen, in Stocken, finden wir einen Campingplatz mit Holzhütten – und yes – wir bekommen eine, recht günstig für Schweden. Wirklich eine süße Hütte, sechs Leute könnten Platz finden, mit Bad und Küche usw., sauber, ich bin begeistert. Und alles ist so gut wie verlassen, das passt auch gut zu dieser wildromantischen Landschaft.

Bohuslän - Landschaft auf Gullholmen

Bohuslän – hier Gullholmen

Süße, kleine Dörfer, die wie aus einer anderen Zeit wirken, so abgeschnitten von unserer gewohnten Welt. Hier muss es sich gut leben, ich wünsche mir auch so ein Haus in der Einsamkeit. Es gibt vermutlich nicht viele Attraktionen. So ist der Tourist oder Besucher ganz darauf angewiesen, sich selbst zu beschäftigen. Besonders außerhalb der Saison. Wir entscheiden uns für eine Fahrt zu einer Orust vorgelagerten, weiteren Insel: Gullholmen. Die Landschaft ist irgendwie grotesk, überall Felsen, riesige Felsbrocken und natürlich Heidekraut. Ein Wanderweg soll den Besucher leiten, aber innerhalb dieses Felsenlabyrinths verlieren wir die Pfeile irgendwann aus den Augen und müssen verstärkt klettern. Aber das ist cool und macht Laune, die Entdeckerlust macht sich breit und die Zeit vergeht ohne dass wir es bemerken.

Klettern auf Gullholmen

Auf Gullholmen

Wir haben aber auch mal wieder Glück. Der Wettergott ist freundlich gesinnt. Solche Erlebnisse sind es doch, die einem etwas geben, was schwer in Worte zu fassen ist. Dazu braucht es nicht viel, man muss einfach loslaufen und die Augen offen halten. Das hört sich eventuell schon wieder nach Klischee und Küchentischpsychologie an. Aber ich kann nicht anders, besonders jetzt im Rückblick, denke ich: was für ein Erlebnis und schöpfe daraus Positives. Und das bemerkenswerte ist, dazu müsste ich wohl nicht mal 3000 km (oder wieviel auch immer) fahren. Vielleicht auch einfach mal daheim ein paar Kilometer, wenn überhaupt, fahren/laufen oder besser direkt vor der Tür und los gehts. Der Plan ist gefasst, das ist sowas wie ein verfrühter Neujahrsvorsatz (wie ich das hasse!), einer von vielen, die während des Jahres gefasst wurden.

so weit das Auge reicht...

fast an der Küste angelangt

Vielleicht liegt das auch am Alter, dass man sentimental wird und gerne gute Ratschläge verteilt. Genug davon also. Am Meer – endlich. Wieder nix mit Baden. Zu viele Quallen, zu viel Tang und Schlonz. Nach etwas verschnaufen wieder zurück zur Fähre. Ursprünglich wollten wir eine Nacht bleiben, letztendlich werden es zwei. Aber auch dieser Zeitraum genügt nicht, um alles zu sehen, alles zu entdecken. Hat was Gutes: so bleibt der Ort interessant und einer Rückkehr steht nichts im Wege. Als wir nach Hause fahren, ca. 15 Stunden am Stück, bleibt die gute Laune anfangs. Kaum sind wir 100m auf der deutschen Autobahn: Stress! Diese Dränglerei, dieser Geschwindigkeitswahn, so ein unentspanntes Fahren. Da lob ich mir doch die dänische und schwedische Geschwindigkeitsbegrenzung (110km/h auf der Autobahn) und deren unerschütterliche Entspanntheit!

Advertisements

2 Gedanken zu “Alter Schwede III

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s